Geheime Orte in Maastricht

Wer sich traut, ausgetretene Pfade zu verlassen, entdeckt die unbekannten Seiten von Maastricht: überraschende Orte mit besonderem Charme, geheim und verborgen. Ein paar von diesen Hidden Places und Secret Spaces möchten wir Ihnen ausnahmsweise verraten. Hier stellen wir Ihnen die Top 5 der Orte vor, die Sie nicht verpassen sollten, aber auch nicht weitersagen dürfen. ;-) Kommen Sie mit? Aber pssst!

1. Wandmalerei von Roland Topor

Los geht's in der Tongersestraat, in die man als Tourist vielleicht nicht direkt einbiegt. An der Gabelung stoßen wir auf eine nette Terrasse, die von den umliegenden Lokalen betrieben wird. Die Fassade des Eckhauses ziert eine beeindruckende Wandmalerei: ein echtes Kunstwerk nach einem Entwurf des 1997 verstorbenen französischen Künstlers Roland Topor. Dieses Wandbild wurde 1988 vom Maastrichter Bürgermeister Philip Houben zum Gedenken an „40 Jahre Menschenrechte“ enthüllt und ruft seither seine Betrachter dazu auf, Menschenrechtsverletzungen – wo auch immer auf der Welt sie geschehen – lautstark anzuprangern. Der Ort, an dem sich das Kunstwerk befindet, heißt offiziell Kakeberg, ist jedoch besser bekannt als Abzweig der Tongersestraat ins lebhafte Stadtzentrum. Am Samstag der Einweihung jährte sich die Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durch die Vereinten Nationen auf den Tag genau zum vierzigsten Mal. Und noch heute bietet es eine gute Gelegenheit, sich bei einem Spaziergang durch Maastricht an diesen Meilenstein in der Geschichte der Menschheit zu erinnern. Das von Topor ursprünglich für Amnesty International geschaffene Kunstwerk wurde von den Maastrichter Künstlern John Prop, Anne-Hilde Bruining und Arjan van Dam an dieser Wand nachgemalt.

2. Kruisherenhotel

Wenn man über die Tongersestraat in Richtung Innenstadt geht, kann man links nach oben in die Abtstraat einbiegen. Dieser Straße folgend überqueren wir die Calvariestraat und stehen plötzlich verdutzt vor dem schönsten Kloster Maastrichts: dem Kruisherenhotel, einem 5-Sterne-Hotel in einem alten gotischen Klosterkomplex. Das Kreuzherrenkloster ist allerdings schon seit zwei Jahrhunderten nicht mehr als Kloster in Betrieb. Im vorigen Jahrhundert dienten die Kirchen- und Klostergebäude unter anderem als landwirtschaftliche Versuchsstation und als Lager- und Proberaum der Maastrichter Oper. Hinter dem imposanten Eingang eröffnet sich die raffinierte Architektur dieses außergewöhnlichen Hotels. Das Haus gehört, wie beispielsweise auch das Château Neercanne, zur exquisiten Oostwegel Collection. Da das Gebäude ein Baudenkmal ist, darf nichts an den Mauern befestigt werden, was die Architekten zu unglaublich kreativen Lösungen herausforderte. Tipp: Besuchen Sie mal die Toilette …

3. Hoge Fronten

Wir schlendern weiter bis zur Brusselsestraat und gehen Richtung Emmaplein. Kurz davor biegen wir rechts in die Zakstraat ein, wo Sie sich einen köstlichen Leckerbissen bei einem der besten Bäcker in Maastricht holen können: der Bäckerei Mathieu Hermans. Danach geht es weiter bis zum Ende der Straße, wir überqueren den Statensingel und steigen hinab Richtung Sphinxkwartier. Über den Eingang des Rizzjement gelangen wir zu den Hoge Fronten mit ihren über- und unterirdischen Verteidigungsanlagen. Nachdem man im Spätmittelalter erkennen musste, dass die Stadtmauern der verbesserten Artillerie nicht mehr gewachsen waren, wurden auch in Maastricht außerhalb der Mauern neue Verteidigungsanlagen errichtet. Der Festungsgürtel am westlichen Rand der Stadt besteht von jeher aus einem höher gelegenen Teil mit trockenen Gräben – den sogenannten Hoge Fronten – und einem tiefer gelegenen Teil mit Wassergräben, den Lage Fronten. Hier befindet sich der Eingang zu den Kasematten. Zwischen 1575 und 1825 entstand auf der Westseite Maastrichts ein ganzes Netzwerk an Gängen und Stollen. Durch diese Gänge konnte man sich dem Feind bei Belagerung unterirdisch nähern und ihn so unschädlich machen. Wie Maulwürfe gruben die Menschen im 18. Jahrhundert ein 14 km langes Verteidigungssystem unter der Westseite der Stadt. Die Soldaten in diesen Gängen „horchten“, ob der Feind versuchte, die Verteidigungsanlagen zu überwinden, und gingen unterirdisch zum Gegenangriff über. Von der kriegerischen Geschichte einst sind heute nur noch schöne, interessante Bauten zu sehen. Ein Spaziergang durch die Hoge Fronten ist ein absolut heißer Maastricht-Geheimtipp!

4. Sphinxpassage

Dieser Ort ist zwar auch ein bisschen versteckt, wird jedoch inzwischen mehr und mehr entdeckt. Wegen seiner Lage haben wir ihn aber trotzdem in unsere Top 5 aufgenommen. Wir folgen dem Maagdendries bis zur Boschstraat und biegen vor den Sphinx-Gebäuden links ab. Hier gelangen wir in das Sphinxkwartier: ein von industrieller Geschichte geprägtes, angesagtes neues Viertel im Zentrum der Stadt. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich der nördliche Teil des Viertels (das heutige Sphinxgelände) zu dem, was man als Wiege der industriellen Revolution in den Niederlanden bezeichnen könnte. Petrus Regout baute hier innerhalb kurzer Zeit einen großen Industriekomplex auf, der u.a. eine Glas- und Kristallfabrik, eine Keramikfabrik, eine Mennigfabrik, eine Pottaschefabrik, eine Nagelfabrik und eine Gewehrfabrik umfasste. Im Jahr 1862 gab es in dieser Gegend nicht weniger als siebzig Fabrikgebäude und Zulieferbetriebe, in denen 1899 bereits 3000 Menschen beschäftigt waren. Heute sind hier u.a. das Lumière Cinema, das Bassin (der Maastrichter Hafen), das Pathé Cinema, das Einrichtungshaus Loods 5 und The Student Hotel zu finden. Sehenswert ist auch die Sphinxpassage: eine 120 m lange, überdachte und geflieste Passage zwischen dem Eiffel-Gebäude und dem Pathé Cinema. Darin ist auf fast 30.000 Fliesen die Geschichte der Maastrichter Keramikfirma Sphinx in Wort, Bild und Objekten lebendig dargestellt.

5. Landbouwbelang

Wir gehen wieder zurück zum Yachthafen von Maastricht: Het Bassin. Linkerhand sehen wir das Lumière Cinema. Ein Stück weiter taucht an der Maas das Gebäude der ehemaligen Agrargenossenschaft Landbouwbelang auf, ein altes Getreidelager mit Umschlagplatz. Später war es im Besitz des weltweiten Papierkonzerns Sappi, der es vor einigen Jahren an die Stadt Maastricht verkaufte. Seit April 2002 ist es „besetzt“. Die Hausbesetzer organisieren allerlei kulturelle Veranstaltungen, von offenen Bühnen bis hin zu großen Partys. In dem Gebäude gibt es außerdem Kunstateliers, Filmabende, eine vegetarische/vegane Volksküche und einen Umsonstladen. Der Garten ist ein herrlich ausgefallenes Sammelsurium, und an der Seite findet man einen der wenigen Orte in Maastricht mit umfangreicher Graffiti-Streetart. Wenn Sie vom gegenüberliegenden Stadtviertel Wyck aus in diese Richtung blicken, entdecken Sie eine ganz besondere Aussicht. Auf einer Bank am Griend-Park lassen sich die vorbeiziehenden Boote in Ruhe beobachten, während man den bemerkenswerten Ausblick genießt.